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Piemont

Sehenswürdigkeiten im Piemont

Sehenswürdigkeiten, Sagen & Kultur – die Stopps, die eine Tour erst rund machen.

Sehenswert

Gran Paradiso & Valle Maira: Natur-Stopps abseits der Pässe

Zwischen den Kurven liegt die eigentliche Stärke des Piemont: eine Kette wilder, hoher und stiller Westalpentäler, die sich von der Po-Ebene zu den Dreitausendern hinaufzieht.

Über dem Nebelmeer im Piemont
Über dem Nebelmeer im Piemont

Das eindrucksvollste Beispiel ist der Nationalpark Gran Paradiso, der älteste Nationalpark Italiens. In sein piemontesisches Herz führt die asphaltierte Sackgasse zum Colle del Nivolet (rund 2.612 m): von Ceresole Reale im Valle Orco vorbei an den Stauseen Lago Serrù und Lago Agnel über berühmte Serpentinen hinauf zum Sattel. Wichtig: Im Sommer ist die Zufahrt mengenmäßig begrenzt und teils kostenpflichtig, an manchen Sommer-Sonntagen führt die letzte Strecke nur per Shuttle weiter. Die Regelung wird jede Saison neu festgelegt und an den Talzufahrten ausgeschildert.

Ganz anders, aber genauso lohnend ist das Valle Maira südwestlich von Saluzzo: eines der dünnstbesiedelten Gebiete Europas, ein „vergessenes Tal" mit lebendiger okzitanischer Kultur und einer engen, ursprünglichen Sackgassen-Straße fast ohne Verkehr. Hier fährt man langsam, nicht schnell. Das benachbarte Valle Varaita führt hinauf zum Colle dell'Agnello, mit Blick auf den markanten Monviso (3.841 m), den höchsten Berg der Cottischen Alpen.

Die Pausenplätze in dieser Ecke liegen an den Stauseen oberhalb von Ceresole Reale, am Talschluss des Valle Maira bei Acceglio und auf den Passhöhen von Agnello und Lombarda. Alle vier haben denselben Vorteil: Sie liegen hoch genug, dass die Hitze der Ebene dort nicht ankommt, und sie sind auch mittags erträglich, wenn unten die Luft steht.

Kultur & Sagen

Masche, Teufelsbrücke & Turiner Magie: Piemonts Sagen

Das Piemont ist eine alte Sagenlandschaft, und an vielen Orten entlang der Strecke hängt eine Geschichte. Wo sich Überlieferung und belegte Geschichte unterscheiden, steht es im Folgenden dabei.

Zur Sacra di San Michele gehört eine Gründungslegende. Der Überlieferung nach errichtete der Einsiedler San Giovanni Vincenzo die Abtei auf Geheiß des Erzengels Michael; das im Tal gesammelte Baumaterial sei auf wundersame Weise auf den Berggipfel gelangt. Der historische Kern dahinter ist real: Die Abtei wurde tatsächlich Ende des 10. Jahrhunderts an exponierter Lage auf dem Felsgipfel errichtet.

In den Tälern um Cuneo, in den Langhe, im Valsusa und im Canavese lebt der Volksglaube an die Masche fort, die piemontesischen Hexen. Der Sage nach sind sie äußerlich ganz normale Dorffrauen, denen man nachts geheime Kräfte zuschrieb – Verwandlung, Seelenflug, kleine Bosheiten. Der Begriff „masca" ist schon 643 im langobardischen Edikt des Rothari im Sinne von Hexe belegt. Der traurige historische Kern: Im Piemont gab es zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert reale Hexenverfolgungen, etwa in den Orten Barbania, Rivara, Ciriè und Levone im Canavese.

Bei Lanzo Torinese nördlich von Turin spannt sich seit 1378 der Ponte del Diavolo, die Teufelsbrücke, über die Stura di Lanzo. Der Sage nach soll der Teufel sie gebaut haben, nachdem zwei Vorgängerbrücken eingestürzt waren – als Lohn forderte er die Seele des ersten, der hinübergeht. Die Lanzesen schickten daraufhin einen Hund vor; der betrogene Teufel habe vor Wut mit den Hufen auf die Felsen geschlagen, woher die Strudellöcher im Fluss stammen sollen. Historisch belegt ist der Bau ab 1378 unter den Savoyern; die Brücke ist ein markanter Strecken-Stopp.

Turin selbst trägt den Ruf einer „Stadt der Magie“ – eine Zuschreibung des 20. Jahrhunderts, nicht der Geschichte. Erzählt wird von zwei „magischen Dreiecken“ zwischen Turin, Lyon und Prag sowie Turin, London und San Francisco. Der dokumentierte Kern dahinter sind reale freimaurerisch-esoterische Verbindungen Turiner Kreise ins französische Lyon Ende des 18. Jahrhunderts. Heute vermarktet die Stadt das Thema als Abendführung „Torino Magica".

Sehenswert

Turin, Genuss & Kultur: Stopps für graue Tage

Das Wetter im Piemont ist zweigeteilt und wechselhaft: In der Po-Ebene staut sich im Sommer schwüle Hitze, in den Bergen ziehen am Nachmittag Gewitter auf. Für die Stunden, in denen Fahren keinen Sinn ergibt, hat die Region reichlich im Programm – Weltkulturerbe, Museen und eine Esskultur, die für sich schon eine Anreise wert ist.

Erste Adresse ist Turin selbst. Das Wahrzeichen ist die Mole Antonelliana, ein 167,5 Meter hoher Ziegelbau aus dem 19. Jahrhundert, der heute das bedeutende Nationale Kinomuseum beherbergt; ein gläserner Panoramaaufzug führt auf 85 Meter Höhe. Das Museo Egizio ist eine der ältesten und bedeutendsten altägyptischen Sammlungen der Welt – nach Kairo gilt sie als die wichtigste überhaupt. Im Dom San Giovanni wird das Turiner Grabtuch aufbewahrt; drei unabhängige Labore datierten das Leinen 1988 per Radiokarbonmethode auf das 13. bis 14. Jahrhundert. Die Kirche behandelt es seither als Ikone, nicht als bewiesene Reliquie.

Für motorradaffine Besucher besonders reizvoll ist das frühere FIAT-Werk Lingotto: 1923 eröffnet, mit einer aufsteigenden Produktion über mehrere Etagen und einer rund einen Kilometer langen Teststrecke samt Steilkurven auf dem Dach. Nach der Stilllegung 1982 baute Renzo Piano das Gebäude zum Kultur- und Kongresszentrum um; die Dachpiste ist heute begehbar. Wer Autos liebt, ergänzt das Nationale Automobilmuseum (MAUTO) mit über 200 Fahrzeugen.

Das Piemont ist außerdem die Wiege der Slow-Food-Bewegung: 1986 als Vereinigung Arcigola gegründet, 1989 mit dem internationalen Manifest in Paris, sitzt sie bis heute im piemontesischen Bra. Entsprechend dicht ist die Genuss-Landschaft. Die Langhe um Alba sind die Heimat der großen Rotweine Barolo und Barbaresco aus der Nebbiolo-Traube sowie des Moscato d'Asti; im Herbst zieht die Trüffelmesse von Alba rund um den weißen Trüffel Besucher aus aller Welt an. In Alba sitzt auch Ferrero: Aus der hier 1946 entwickelten Haselnuss-Schoko-Paste wurde 1964 die Nutella, deren erstes Glas am 20. April 1964 in Alba abgefüllt wurde. Turiner Spezialitäten sind der geschichtete Kaffee-Schokolade-Drink Bicerin und der Vermouth, den Antonio Benedetto Carpano 1786 in Turin erfand. Dazu kommen Käse wie der Castelmagno aus dem Valle Grana und der herzhafte Knoblauch-Sardellen-Dip Bagna Càuda.

Militärpisten jenseits der Baumgrenze

Der wichtigste Punkt für die Tourenplanung im Piemont: Viele der berühmten Hochstraßen sind unbefestigt. Reine Schotterpisten (sterrato) sind die Auffahrt zum Colle del Sommeiller (rund 2.990 m), die Strecke zum Monte Jafferau, die Strada dell'Assietta (rund 34 Kilometer Gratstraße) sowie die oberen rund acht Kilometer des Colle delle Finestre. Diese Strecken sind ausschließlich etwas für Enduros und Reiseenduros, nicht für Straßentourer. Der Mont Chaberton (3.131 m) an der französischen Grenze ist für Kraftfahrzeuge gesperrt und teils durch Erdrutsche zerstört – er ist kein befahrbares Ziel, sondern nur zu Fuß oder mit dem Mountainbike erreichbar.

Was das Piemont von den übrigen Alpenregionen abhebt, ist nicht die Zahl seiner Übergänge, sondern der Bestand an hochgelegenen, unbefestigten Trassen, die bis heute mit dem Motorrad befahrbar sind. Die Auffahrt zum Colle del Sommeiller durch das Rochemolles-Tal hinter Bardonecchia, die Bergstraße auf den Monte Jafferau und die Assietta-Kammstraße sind keine ausgefahrenen Feldwege, sondern gebaute Militärstraßen. Sie haben eine gleichmäßig kalkulierte Steigung, Trockenmauern als Stützkörper, in den Fels gesprengte Kehren und am Rand die Reste von Kasernen, Batteriestellungen und Bunkern der alten Grenzbefestigung. Angelegt wurden sie für Maultierkolonnen und Lastwagen — daraus ergibt sich ihr Charakter: lange, planbare Rampen statt kurzer Rampenstücke, ausreichend Breite für Gegenverkehr an den meisten Stellen, dazu vereinzelt unbeleuchtete Tunnelstücke und Galerien.

Fahrerisch verlangen sie mehr, als die Bilder vermuten lassen. Der Belag wechselt binnen weniger Kilometer zwischen fest gefahrener Schotterdecke, losem Feinmaterial am Kehrenausgang, Waschbrett auf den Geraden und ausgespülten Rinnen nach Starkregen. Quer eingebaute Wasserableiter kommen ohne Vorwarnung, Altschneefelder halten sich in den Nordkehren bis weit in den Sommer, und Steinschlagmaterial liegt oft genau dort, wo der Fels über die Fahrbahn hängt. Wer hier sauber fährt, arbeitet mit dem Blick weit voraus, mit gleichmäßigem Gas und aus dem Stand auf den Rasten — Bremsmanöver in der Kehrenmitte quittiert loser Schotter mit einem wegdrückenden Vorderrad. Bergab hilft der niedrige Gang mehr als jede Bremse.

  • Gewicht und Beladung: Eine große Reiseenduro mit vollen Koffern ist auf engen Spitzkehren am Limit. Wer die Kammstraßen als Tagesziel fährt, lässt das Gepäck im Tal.
  • Bereifung: Straßenreifen funktionieren auf festem Untergrund, versagen aber im losen Material und auf nassem Lehm. Grobstolliges Profil erweitert den Spielraum spürbar.
  • Reichweite: Oberhalb der Talorte gibt es keine Tankstellen. Getankt wird unten, vor dem Anstieg — Umwege und Wendemanöver kosten mehr Sprit als geplant.
  • Andere Nutzer: Geländewagen, Mountainbiker, Wanderer und Weidevieh teilen sich dieselbe Spur. Auf Kammstrecken ohne Leitplanke ist die Ausweichstelle das entscheidende Detail, nicht das Tempo.

Der Sommeiller endet an einem Gletscherplateau, das Motorrad muss dieselbe Strecke zurück. Das ist typisch für dieses Revier: Viele der lohnendsten Schotterziele sind Stichstrecken, keine Verbindungen. Wer sie in eine Runde einbaut, plant die Rückfahrt als vollwertigen zweiten Teil der Etappe.

Asphalt an der Grenze: das Netz zwischen Susa und dem Chisone

Die asphaltierten Grenzübergänge im Nordwesten sind das Bindeglied zwischen den Schotterzielen — und für sich genommen eigenständige Fahrstrecken. Am Talschluss des Val di Susa liegen gleich zwei davon nebeneinander: Der Monginevro hinter Cesana bleibt unter 2000 Metern, ist ganzjährig geöffnet und entsprechend stark befahren, auch von Lastverkehr. Der Moncenisio steigt von Susa in langen, breiten Kehren auf über 2000 Meter, führt über die Staumauer eines großen Speichersees und ist eine reine Sommerstrecke. Beide zeigen dasselbe Muster: Die italienische Rampe ist länger und enger, die französische Seite oben oft breiter ausgebaut und in besserem Zustand.

Zwischen Susa- und Chisone-Tal übernimmt der Sestriere die Rolle der asphaltierten Querverbindung — die Alternative eine Etage höher ist die Kammpiste. Genau diese Kombination macht die Gegend planbar: Wer auf Schotter verzichten muss oder will, kommt auf Asphalt über dieselbe Achse, nur mit anderem Höhenprofil. Weiter südlich gilt das nicht mehr. Dort greifen die Täler parallel in den Fels, Querverbindungen fehlen weitgehend, und jeder Wechsel ins Nachbartal kostet die volle Anfahrt vom Talausgang. Wer Etappen zusammensetzt, rechnet diese Leerkilometer besser vorher ein, statt sie unterwegs zu entdecken.

Die Grenzrampen bringen eine Eigenheit mit, die man aus den Zentralalpen so nicht kennt: Der Verkehr ist auf den offenen Übergängen internationaler Charakter, auf den hohen Sommerpässen dagegen dünn. Wochenendspitzen entstehen weniger durch Autos als durch Rennradgruppen, die auf den bekannten Rampen in dichten Pulks unterwegs sind. Überholen im Anstieg braucht dort Geduld und Übersicht, gerade in Kehren ohne Sicht auf den Gegenverkehr.

Seealpen und der Weg ans Meer

Südwestlich von Cuneo laufen die Alpen in einem letzten großen Bogen aus. Die Täler Valle Gesso, Valle Pesio und Valle Vermenagna gehören zu den Seealpen, einem Massiv mit hohem Bestand an Steinbock und Gams und einer Vergangenheit als königliches Jagdrevier; Entracque und Terme di Valdieri sind die klassischen Talschlüsse. Die Straßen enden meist an Parkplätzen vor dem Schutzgebiet, sind aber auf dem Weg dorthin schmal, waldig und kurvenreich. Anders als im Norden ist die Luft hier bereits vom Mittelmeer geprägt: Der Hauptkamm ist keine 50 Kilometer von der Küste entfernt.

Das erklärt auch die zweite Besonderheit dieser Ecke, die Ligurische Grenzkammstraße. Sie zieht sich vom Bereich des Colle di Tenda nach Osten über den Grenzrücken Richtung Monesi und wechselt dabei aus dem Piemont nach Ligurien — eine alte Salzhandelsroute, später militärisch ausgebaut, mit Blick auf den Alpenhauptkamm im Norden und das Meer im Süden. Sie ist Schotter, streckenweise ausgesetzt, und der Zugang für Motorfahrzeuge unterliegt einer Regelung, die von Saison zu Saison wechselt und an den Zufahrten ausgeschildert wird. Der alte Passübergang am Colle di Tenda selbst ist mit seiner gestapelten Kehrenwand ein Bauwerk für sich; der Straßentunnel darunter war in den vergangenen Jahren wiederholt eingeschränkt befahrbar.

Wer statt der Kammroute die einfache Verbindung ans Meer sucht, nimmt die Übergänge im Süden der Region: den Colle di Nava aus dem Tanaro-Tal Richtung Imperia, den Colle San Bernardo von Garessio hinunter nach Albenga oder weiter östlich die tiefe Einsattelung bei Cadibona, an der die Alpen in den Apennin übergehen. Alle drei sind ganzjährig fahrbar und machen eine Kombination aus Hochalpen und Küste innerhalb eines Tages möglich.

Langhe, Roero und Monferrato: Kurven ohne Höhenmeter

Südöstlich von Cuneo und Turin bricht das Gebirge ab und wird zu einem Hügelland, das fahrerisch ein komplett anderes Programm bietet. Statt Kehren gibt es Kammstraßen, die auf den Rücken zwischen den Tälern entlanglaufen: kurze Radien, ständige Kuppen, kaum Bremspunkte, dafür Rhythmus über Dutzende Kilometer. Die Alta Langa um Bossolasco, Murazzano und Cortemilia liegt deutlich höher und einsamer als die bekannten Weinorte weiter nördlich; die Straßen sind schmaler, der Verkehr geringer, die Dörfer sitzen auf den Bergrücken statt in den Senken. Im Roero nördlich des Tanaro fällt das Gelände in steile Sandabbrüche ab, was zu abrupten Gefällewechseln auf wenigen hundert Metern führt. Das Monferrato um Asti, Nizza, Canelli und Casale ist weitläufiger und offener, mit längeren Zügen zwischen den Ortschaften.

Die Risiken sind andere als in den Bergen. Blinde Kuppen verdecken entgegenkommende Landmaschinen, aus Feldwegen und Hofeinfahrten wird Erde und Splitt auf die Fahrbahn getragen, im Herbst kommt Traubentransport und Haselnussernte dazu. Der Belag ist auf Nebenstraßen häufig geflickt statt erneuert. Dafür fährt sich diese Ecke von Frühjahr bis in den späten Herbst — sie ist die verlässliche Reserve, wenn oben noch Schnee liegt oder das Wetter die Hochstrecken ausschließt.

Turin, die Ebene und die Anfahrtswege

Turin ist für Motorradfahrer weniger Ziel als Drehscheibe. Vom Stadtrand aus liegt der Einstieg ins Susa-Tal in gut einer Stunde, das Chisone-Tal ähnlich nah, und die Ringautobahn spart die Durchquerung. Direkt östlich der Stadt beginnt die Collina Torinese, ein bewaldeter Höhenzug mit engen Panoramastraßen und der Auffahrt nach Superga — kurze, kurvige Strecken, die als Feierabendrunde funktionieren, an Wochenenden aber gut besucht sind.

Nach Norden und Osten öffnet sich die Ebene. Zwischen Vercelli und Novara liegt das größte Reisanbaugebiet Europas: geflutete Felder, schnurgerade Straßen auf Dammkronen, Bewässerungskanäle und Pappelreihen. Fahrerisch ist das keine Herausforderung, landschaftlich im Frühjahr bei überstauten Feldern durchaus eindrucksvoll. Als Transitzone hat die Ebene ihren Zweck: Sie wird früh am Tag durchfahren, nicht mittags. Im Spätherbst und Winter kommt dichter Bodennebel dazu, der die Sicht über Stunden auf wenige Dutzend Meter drückt — ein Grund mehr, die Randlagen bei Saluzzo, Cuneo und Ivrea als Standquartier zu wählen statt der Ebene selbst.

Sacra di San Michele, Fenestrelle und Venaria: Ziele am Weg

Zu den Kurven und Pässen kommt eine Reihe von Zielen, für die sich das Absteigen lohnt. Die meisten liegen direkt an den Hauptachsen oder wenige Kilometer daneben – Fahren und Sehen lassen sich hier ohne große Umwege verbinden.

Über dem Eingang ins Susatal thront die Sacra di San Michele, eine romanisch-gotische Benediktinerabtei aus dem späten 10. Jahrhundert auf dem Gipfel des Monte Pirchiriano. Sie ist per Regionalgesetz das offizielle Symbolmonument des Piemont und gilt als eine der Inspirationsquellen für Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose". Die kurvige Auffahrt von Sant'Ambrogio hinauf und der Blick über das Tal machen sie zu einem der lohnendsten Foto-Ziele der Region.

Im Val Chisone liegt das Forte di Fenestrelle, die größte alpine Festungsanlage Europas, oft als „Große Mauer des Piemont" bezeichnet. Die rund drei Kilometer lange Befestigung überwindet mehr als 600 Höhenmeter; eine überdachte Innentreppe mit 3.996 Stufen gilt als längste gedeckte Treppe Europas. Gebaut wurde die Anlage zwischen 1728 und 1850. Sie liegt direkt am Talanstieg Richtung Sestriere und damit auf dem Weg jeder Runde, die zum Colle delle Finestre hinaufführt.

Vor den Toren Turins steht die Reggia di Venaria Reale, eine barocke Savoyer-Königsresidenz aus dem späten 17. Jahrhundert, die seit 1997 als Teil der Residenzen des Hauses Savoyen UNESCO-Welterbe ist. Die monumentale Galerie und die rund 60 Hektar großen Gärten lassen sich gut als Stadtrand-Stopp einbauen.

Wer den Bergteil mit Genuss kontrastieren will, fährt zum Lago Maggiore in den Nordosten der Region. Vom Tor Stresa aus erreicht man per Boot die Borromäischen Inseln mit dem Barockpalast und den Terrassengärten der Isola Bella. Im Süden des Piemont liegen die Weinhügel der Langhe rund um Alba und Barolo, seit 2014 als Weinkulturlandschaft Langhe-Roero und Monferrato UNESCO-Welterbe – weiche, kurvige Hügelstraßen statt Hochalpen. Bei Biella schließlich führt eine kurze Bergauffahrt zum Wallfahrtsort Santuario di Oropa, dessen Sacro Monte seit 2003 ebenfalls UNESCO-Welterbe ist.

Höhenlage, Saisonfenster und realistische Tagesplanung

Die Region deckt vom Flachland bis über 2700 Meter eine Spanne ab, die sich unmittelbar auf die Planung auswirkt. Entscheidend ist nicht allein die Höhe, sondern die Ausrichtung: Nordseitige Rampen und schattige Kehren halten Schnee und Nässe deutlich länger als südseitige Hänge auf gleicher Höhe. Unbefestigte Strecken geben zusätzlich später frei als asphaltierte, weil Frostschäden und Ausspülungen erst geräumt und wieder befestigt werden müssen. Nach längerem Regen bleibt Schotter tagelang weich, während der Asphalt längst abgetrocknet ist.

Für die Tagesplanung zweierlei. Erstens sinkt der Schnitt auf unbefestigten Kammstrecken drastisch — eine Strecke, die auf der Karte nach einem Vormittag aussieht, füllt mit Fotostopps, Gegenverkehr und Rückweg leicht den ganzen Tag. Zweitens ist der Temperatursturz zwischen Talboden und Passhöhe erheblich; im September kann es oben morgens frieren, während unten kurzärmelig gefahren wird. Wer die Höhe sucht, braucht die entsprechende Kleidungsschicht griffbereit, nicht ganz unten im Gepäck.

Das Gefälle lässt sich als Vorteil nutzen: Die Hügelstrecken im Süden und die Vorbergtäler tragen die Saison an beiden Enden, während das Hochgebirge ein enges Fenster im Sommer und Frühherbst hat. Eine Woche im Piemont wird deshalb sinnvollerweise nicht durchgeplant, sondern nach Wetterlage sortiert — Höhe an den stabilen Tagen, Hügelland an den unsicheren.

Landschafts-Highlights, die du mit dem Motorrad erreichst

Colle dell'Agnello (Col Agnel)

Mit 2744 Metern der höchste Grenzpass der Alpen und nach Iseran und Stilfser Joch der dritthöchste asphaltierte Alpenpass — ein kahler, weiter Sattel direkt auf der italienisch-französischen Grenze.

Anfahrt
SP251 durchs Varaitatal (Provinz Cuneo), ab Sampeyre über Pontechianale und Chianale; auf französischer Seite D205 aus dem Queyras.
Motorrad-Parken
Schmaler Schotter- und Asphaltstreifen an der Passhöhe, kein bewirtschafteter Platz — für Motorräder problemlos.
Öffnungszeiten
Frei zugänglich; Passstraße nur schneefrei etwa Juni bis Oktober, im Winter gesperrt.
Höhe/Aussicht
2744 m, weiter Rundblick über die Cottischen Alpen ins Queyras.

Colle Fauniera (Colle dei Morti)

Einer der höchsten und schmalsten Asphaltpässe der Cottischen Alpen; streckenweise nur einspurig, an der Passhöhe das steinerne Denkmal für Marco Pantani.

Anfahrt
Von Pradleves im Valle Grana oder von Demonte durch das Vallone dell'Arma; schmale, kurvige Bergstraße in der Provinz Cuneo.
Motorrad-Parken
Schotterfläche an der Passhöhe beim Pantani-Denkmal.
Öffnungszeiten
Frei zugänglich; nur im Sommer schneefrei befahrbar.
Höhe/Aussicht
2481 m, Rundumblick; auf der Nordostrampe der Wallfahrtsort Santuario di San Magno (1760 m).

Colle del Nivolet mit Stauseen Serrù und Agnel

Panorama-Sackgasse im Nationalpark Gran Paradiso: Die Straße klettert über zwei Bergstauseen bis nahe der Passhöhe und endet dort — kein Durchkommen ins Aostatal, gefahren wird hin und zurück.

Anfahrt
Durchs Valle dell'Orco ab Ceresole Reale (Provinz Turin); Stichstraße hinauf bis zum Rifugio Savoia.
Motorrad-Parken
Parkstreifen an den Seen und am Rifugio; an Sommer-Sonntagen ist der letzte Abschnitt ab Lago Serrù für Kfz gesperrt (Shuttle, Rad oder zu Fuß).
Öffnungszeiten
Frei zugänglich; Straße etwa von Mitte Oktober bis Anfang Juni wintergesperrt.
Höhe/Aussicht
Stauseen auf rund 2200 m, Asphaltende am Rifugio Savoia (2534 m), Passhöhe rund 2600 m.
Straße durch die Weinberge der LangheWeinberghügel der Langhe

Belvedere La Morra (Langhe)

Frei zugängliche Panoramaterrasse hoch über den Barolo-Weinbergen; der Ort liegt auf einem Hügelrücken mitten in der UNESCO-Weinbaulandschaft.

Anfahrt
Von Alba über die Hügelstraßen nach La Morra (Provinz Cuneo); enge, kurvige Rebland-Straßen.
Motorrad-Parken
Parkplätze im Ort und nahe der Aussichtsterrasse.
Öffnungszeiten
Frei zugänglich.
Höhe/Aussicht
Ort auf 513 m; Weitblick über die Langhe — UNESCO-Weinbaulandschaft Langhe-Roero und Monferrato (seit 2014).

Sacra di San Michele

Benediktinerabtei auf dem Felsgipfel des Monte Pirchiriano am Ausgang des Susatals; seit 1994 offizielles Wahrzeichen des Piemont und weithin über der Talebene sichtbar.

Anfahrt
Schmale Bergstraße zum Colle Braida, Zufahrt ab Avigliana; rund 35 km westlich von Turin.
Motorrad-Parken
Parkplatz unterhalb der Abtei; der letzte Anstieg führt zu Fuß über einen gepflasterten Treppenweg.
Öffnungszeiten
Mo–Sa 9:30–17:30 Uhr, So 10:45–17:30 Uhr.
Höhe/Aussicht
962 m auf dem Monte Pirchiriano, weiter Blick über das untere Susatal und die Turiner Ebene.

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