Reisezeit, Höhenklima, Maut und Anreise durch die Alpentunnel

Das Piemont ist für Motorradfahrer eine ausgesprochene Sommer- und Frühherbst-Region. Die Hochalpen-Saison läuft grob von Juni bis Oktober, das Optimum liegt zwischen Ende Juni und September. Dann sind die großen Pässe zuverlässig schneefrei, die Höhenstraßen in Bestform und die Tage lang und trocken. Am besten fährt es sich Ende Juni, im Juli und vor allem im September, wenn der Hauptandrang des August nachlässt. Die Öffnungstermine der höchsten Pässe hängen an der Schneeschmelze und verschieben sich von Jahr zu Jahr um Wochen.
Das Klima ist zweigeteilt. In der Po-Ebene um Turin wird es im Hochsommer schwül-heiß mit Spitzen um 35 Grad; in den Bergen bleibt es deutlich kühler, in Pontechianale auf 1.650 Metern liegt das Julimittel nur bei rund 15 Grad. Genau dieser Höhenunterschied ist der Trumpf: Wer der Hitze entkommen will, fährt einfach hinauf. In den Bergen drohen im Sommer häufige Nachmittagsgewitter – die Touren also eher früh angehen. Frühjahr und Herbst sind im Flachland und in den Hügeln der Langhe besonders angenehm.
Maut und Vignette
Italien kennt keine Vignette. Auf der Autobahn zieht man an der Auffahrt ein Ticket und zahlt an der Ausfahrt streckenabhängig (bar, Karte oder über die elektronische Telepass-Spur), im Schnitt rund sieben Cent pro Kilometer. Die Alpenpässe der Westalpen im Piemont sind mautfrei – Pässe wie der Colle dell'Agnello, der Colle della Lombarda oder der Colle della Maddalena kosten keine Streckenmaut. Kostenpflichtig sind dagegen die großen Grenztunnel bei der Anreise: Der Mont-Blanc-Tunnel und der Fréjus-Tunnel kosten für ein Motorrad jeweils rund 37 Euro für eine einfache Fahrt.
Die Anreise aus Deutschland führt am direktesten über die großen Alpentunnel. Der Fréjus-Tunnel aus Frankreich mündet direkt ins Susatal und über die A32 nach Turin; der Mont-Blanc-Tunnel führt ins Aostatal und über die A5 ebenfalls direkt nach Turin. Wer über die Schweiz fährt, braucht die Jahres-Vignette für rund 40 Franken; über Österreich genügt die günstigere Motorrad-Vignette (zehn Tage rund fünf Euro). Innerhalb der Region erschließen die Talautobahnen A32 (Susatal) und A5 (Aostatal) sowie ein dichtes Netz an Landstraßen die Reviere; die kurvigen Pass- und Kammstrecken laufen dann auf den Bergstraßen darüber.
Ein praktischer Hinweis für Anreisende ohne eigenes Motorrad: In der Stadt Turin gibt es mehrere Motorrad-Vermieter mit BMW-, Ducati- und Moto-Guzzi-Maschinen; einen festen Schalter direkt am Flughafen Turin-Caselle gibt es nach aktuellem Stand allerdings nicht – eine Zustellung lässt sich beim Vermieter individuell anfragen.