
Bella Piemonte - Italiens Top-Region für Genießer
Im Piemont gibt es weiße Trüffel, herrliche Rotweine, gewaltige Alpengipfel, satte Kurven, den schönen Lago Maggiore und das Mittelmeer ist auch nicht weit!
Piemont
Strecken-Achsen, Bikertreffs, Tankstellen und fertige Tagesrunden – alles zum Fahren.
Von der Redaktion gefahren und dokumentiert – mit Karte und GPX-Track zum Nachfahren.

Im Piemont gibt es weiße Trüffel, herrliche Rotweine, gewaltige Alpengipfel, satte Kurven, den schönen Lago Maggiore und das Mittelmeer ist auch nicht weit!

Auf 500 km on/off zwischen Pavia in der Poebene und Sanremo am Mittelmeer geht es mit Adventure-Bikes auf die Hardalpitour.

Das Piemont eröffnet Möglichkeiten für alle Motorradfahrer, denn dort finden sich herrliche Straßen für satte Schräglagen, aber auch Abenteuerpisten für Enduristi.

Zwei Alpenpässe, knapp 5.000 Höhenmeter bergan und auch wieder bergab, sowie lauschige Stunden am Ufer des Lago Maggiore, das ist eine Mischung aus der eine Motorradtour ganz sicher immer bestehen darf.

Transalp bedeutet, dass wir die Alpen nicht irgendwie von Nord nach Süd oder umgekehrt gequert haben. Vielmehr sind wir dem gesamten Alpenbogen von Nizza – immer dicht am Hauptkamm entlang – nach Wien gefolgt.

Bei einer Tour rund um den Mont Blanc kann man was erleben: Dazu gehören Prachtblicke zum höchsten Berg der Alpen genauso, wie jene Traumpässe namens Cormet de Roselend oder die beiden St. Bernhards.
Colle dell'Agnello (2.744 m). Der höchste asphaltierte Grenzpass der Alpen verbindet Pontechianale im Val Varaita mit dem französischen Queyras. Die italienische Seite ist die spektakulärere: enge Kehren, die letzten rund zehn Kilometer mit bis zu 15 Prozent Steigung, dazu der Blick auf den Monviso. Mautfrei. Wintersperre etwa von Ende Oktober bis Ende Mai – die genaue Öffnung schwankt jährlich mit der Schneeschmelze.
Colle del Nivolet (rund 2.612 m). Asphaltierte Sackgasse im Nationalpark Gran Paradiso: von Ceresole Reale im Valle Orco über die Stauseen Lago Serrù und Lago Agnel hinauf zum Sattel, berühmt für seine Serpentinen. Mautfrei, aber im Sommer mit mengenbegrenzter, teils kostenpflichtiger Zufahrt – an manchen Sommer-Sonntagen geht es die letzten Kilometer nur per Shuttle weiter. Hinauf und auf gleichem Weg zurück.
Colle della Lombarda (2.350 m). Grenzpass vom Valle Stura (Vinadio) hinüber ins französische Isola mit rund 75 Kehren – eine der kurvenreichsten Auffahrten der Region. Asphaltiert und mautfrei, lässt sich gut mit dem Colle della Maddalena zur Schleife verbinden.
Colle Fauniera / Colle dei Morti (2.481 m). 1999 für den Giro d'Italia asphaltiert, mit Marco-Pantani-Denkmal am Pass. Die Straße ist eng, der Belag teils brüchig, Rampen reichen bis rund 20 Prozent – „asphaltiert" heißt hier nicht „entspannt". Ein Pass für erfahrene Fahrer, der vom Valle Grana ins Valle Stura führt.
Colle delle Finestre (2.176 m) und Strada dell'Assietta. Achtung, Schotter: Der Colle delle Finestre ist von Susa aus die ersten rund zehn Kilometer asphaltiert, die letzten rund acht Kilometer zum Pass sind unbefestigt. Oben schließt die rund 34 Kilometer lange Gratstraße Strada dell'Assietta an, eine fast durchgehend über 2.000 Meter verlaufende Militär-Schotterstraße. Beides ist ausschließlich etwas für Reiseenduros, nicht für Straßentourer; die Assietta ist im Juli und August mittwochs und samstags für Kraftfahrzeuge gesperrt.
Getankt wird im Piemont grundsätzlich in den Tälern, nicht oben am Pass. Auf den Hochstrecken selbst gibt es keine Tankstellen – wer auf 2.500 Metern steht, hat die letzte Säule weit unten im Tal hinter sich. Die Faustregel: vor jeder großen Auffahrt voll machen.

Verlässliche Tankpunkte liegen an den Talorten und entlang der Talautobahnen: Saluzzo und Cuneo im Süden, Susa und Oulx an der A32 im Westen, dazu die Talorte des Valle Stura wie Demonte und Vinadio sowie Ceresole Reale am Eingang ins Gran-Paradiso-Gebiet. Wer eine Stichstraße wie den Colle del Nivolet hinauf- und wieder hinunterfährt, rechnet die gesamte Distanz doppelt – Auffahrt plus Rückweg auf derselben Route.
Dünn wird das Netz in den hinteren Tälern: Im oberen Valle Maira Richtung Acceglio, im Val Varaita hinauf zum Colle dell'Agnello und über die Schotterstrecken von Finestre und Assietta liegen lange Abschnitte ganz ohne Säule. Wer eine Reichweite von rund 150 bis 200 Kilometern bequem fährt, kommt mit einem Vorrats-Stopp im Tal sicher über jede Tagesetappe – kleinere Tanks lieber an jeder größeren Talstation auffüllen, statt auf die nächste Säule am Berg zu hoffen.
Was das Piemont fahrerisch einzigartig macht, sind nicht die asphaltierten Grenzpässe, sondern die alten Militärpisten, die bis knapp unter 3.000 Meter reichen. Sie lassen sich in drei Schwierigkeitsstufen sortieren – und genau danach richtet sich die Wahl von Motorrad, Reifen und Tagesplan. Wer den Untergrund unterschätzt, steht schnell mit einer straßenbereiften Maschine im losen Geröll.
Einsteigerstufe: Colle delle Finestre. Die engen Serpentinen der Auffahrt sind asphaltiert, erst die Rampe zur Passhöhe wird zu festem Schotter. Der unbefestigte Abschnitt ist kurz und meist gut verdichtet, sodass ein Reiseenduro-Fahrer mit grobstolligem oder zumindest geländetauglichem Reifen ihn bei trockener Lage konzentriert bewältigt. Bei Nässe wird auch dieser Belag rutschig. Der Finestre ist damit die ideale Standortbestimmung, ob Mensch und Maschine für die härteren Pisten taugen.
Mittelstufe: Strada dell'Assietta. Anders als eine kurze Schotterrampe ist sie eine lange, ausgesetzte Kammfahrt: über Dutzende Kilometer hält sie sich um die 2.500 Meter – ohne Tankstelle, ohne Schatten, ohne schnelle Ausfahrt ins Tal. Hier zählt nicht Fahrtechnik allein, sondern Ausdauer und Vorbereitung: voller Tank, Wasser und warme Kleidung, denn in der Höhe schlägt das Wetter rasch um. Grobstollige Reifen und Fahren im Stehen machen die losen Passagen deutlich beherrschbarer.
Königsstufe: Colle Sommeiller und Monte Jafferau. Der Sommeiller oberhalb von Bardonecchia klettert auf annähernd 3.000 Meter zu einem stillgelegten Gletscher-Skigebiet und gilt als eine der höchsten per Motorrad erreichbaren Schotterauffahrten der Alpen. Es ist eine Sackgasse: hinauf und auf derselben Piste wieder hinunter. Der Belag ist grobes, loses Geröll, die Luft dünn, und selbst im Hochsommer bleibt es kalt – Schneefelder können die letzte Rampe bis weit in die Saison hinein sperren. Solche Auffahrten verlangen echtes Gelände-Können und ein leichtes, unbeladenes Motorrad, kein bepacktes Tourenmotorrad.
Befahrbarkeit immer vorab prüfen. Ob diese Pisten offen sind, regeln kommunale Verordnungen, und die Termine verschieben sich jedes Jahr mit der Schneeschmelze. Eine Strecke, die in einem Jahr sauber befahrbar war, kann im nächsten von Auswaschungen, Steinschlag oder Restschnee unpassierbar sein. Verlässliche Auskunft gibt es nur kurz vorher und vor Ort – der Zustand gehört zwingend vor die Auffahrt, nicht auf gut Glück in die Planung.
Drei Zufahrtsregeln entscheiden im Piemont mit darüber, ob eine geplante Etappe überhaupt fahrbar ist. Wer sie kennt, legt seine Schotter- und Höhentage auf die richtigen Wochentage – und spart sich die Umkehr am Verbotsschild.
Auf der Kammstraße vom Colle delle Finestre über die Assietta Richtung Sestriere gilt in den Hauptsommerwochen an festen Tagen – üblicherweise mittwochs und samstags – ein Fahrverbot für Kraftfahrzeuge. Grund ist der Andrang von Wanderern und Mountainbikern auf der schmalen Piste. Das Verbot wird per Gemeindeverordnung erlassen und betrifft den hochgelegenen Abschnitt der Gratstraße. Praktisch heißt das: den Schottertag auf einen anderen Wochentag legen, dann hat man den Kamm weitgehend für sich.
Die asphaltierte Sackgasse zum Colle del Nivolet oberhalb von Ceresole Reale ist an einzelnen Sommersonntagen und Feiertagen im oberen Abschnitt für den privaten Kraftverkehr gesperrt. An diesen autofreien Tagen bringt ein Shuttlebus die Besucher das letzte Stück zur Passhöhe – auch Motorräder bleiben dann unten stehen. Wer die berühmten Serpentinen über den Stauseen selbst abfahren will, meidet diese Sonntage und plant den Nivolet unter der Woche ein.
Die Innenstadt von Turin ist eine Zona Traffico Limitato, deren Zufahrten (varchi) über automatische Kennzeichen-Kameras überwacht werden. Motorräder sind von der zentralen ZTL ausgenommen und dürfen einfahren – anders als in manchen anderen italienischen Städten. Aufpassen muss man trotzdem: ausgewiesene Fußgängerzonen (ZTL pedonale) bleiben auch fürs Motorrad tabu, und je nach Zone können zusätzliche Umwelt- und Zufahrtsbeschränkungen greifen. Vor der Einfahrt in die enge Altstadt lohnt der Blick auf die konkrete Zonen-Kennzeichnung, statt sich blind auf die Motorrad-Ausnahme zu verlassen.
Etwa 150 bis 190 Kilometer, ein gut gefüllter Tag. Von Saluzzo über Sampeyre und Casteldelfino hinauf nach Pontechianale und weiter zum Colle dell'Agnello (2.744 m), dem höchsten asphaltierten Grenzpass der Alpen – von dort entweder die gleiche Strecke zurück oder hinüber ins französische Queyras. Highlight: die letzten rund zehn Kilometer mit bis zu 15 Prozent Steigung und der Blick auf den Monviso. Einkehr: in Saluzzo mit Tajarin, Haselnussdessert und Barolo, oder in einer Trattoria in Sampeyre.
Etwa 120 bis 160 Kilometer. Aus dem Raum Cuorgnè ins Valle Orco nach Ceresole Reale, dann entlang der Stauseen Lago Serrù und Lago Agnel hinauf zum Colle del Nivolet und auf derselben Strecke zurück, denn der Pass ist eine Sackgasse. Highlight: die spektakulären Serpentinen über den Seen im ältesten Nationalpark Italiens. Wichtig: sommerliches Zufahrtslimit auf der Passstraße, vorab prüfen. Einkehr: an einer der Berghütten am Ceresole-See mit Polenta concia.
Etwa 180 bis 220 Kilometer. Von Cuneo über Borgo San Dalmazzo ins Valle Stura nach Demonte und Vinadio, hinauf zum Colle della Lombarda (2.350 m) an die französische Grenze, zurück und weiter zum Colle della Maddalena (Col de Larche, 1.991 m). Highlight: zwei sehr unterschiedliche Pässe plus die mächtige Festung von Vinadio. Einkehr: in einer Trattoria in Demonte oder Vinadio.
Etwa 130 bis 170 Kilometer, ausdrücklich ein Schotter-Abenteuer. Von Susa über den Colle delle Finestre (2.176 m, die letzten rund acht Kilometer Schotter) auf die rund 34 Kilometer lange Gratstraße Strada dell'Assietta, hinunter nach Sestriere und durchs Val Chisone an der Festung Fenestrelle vorbei zurück. Highlight: eine der höchsten befahrbaren Schotter-Höhenstraßen Europas. Wichtig: Saison nur etwa Anfang Juni bis Ende Oktober, die Assietta ist im Juli und August mittwochs und samstags für Kraftfahrzeuge gesperrt; bei Nässe wird der Schotter rutschig. Einkehr: in Sestriere oder Sauze d'Oulx.
Etwa 120 bis 160 Kilometer. Von Saluzzo über Dronero durchs Valle Maira nach Prazzo und Acceglio bis zum Talschluss bei Chiappera und zurück; ein Abstecher über Stroppo oder Elva lohnt. Highlight: das ursprünglichste, ruhigste Alpental der Region mit okzitanischer Prägung und kaum Verkehr. Einkehr: in Acceglio mit regionalen Hofprodukten und Käse aus den Bergdörfern.
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