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Piemont

Die Motorrad-Reviere im Piemont

Jede Ecke fährt sich anders – hier steht, welche wie.

Kein anderes Alpenrevier bündelt so viele hohe Schotterpässe auf so engem Raum wie das westliche Piemont. Ehemalige Militärstraßen ziehen hier bis auf fast 3.000 Meter, dazwischen liegen asphaltierte Grenzpässe nach Frankreich, das Susatal als Durchgangsader und – als Gegenprogramm im Süden – die Weinhügel der Langhe. Wer ins Piemont fährt, sortiert seine Tour nach Untergrund: grobes Gelände im Hochgebirge, sauberer Teer über die Kämme, weiche Kurvenketten durch die Reben. Was jede Ecke fahrerisch hergibt, steht hier.

Schotterpässe – das fahrerische Alleinstellungsmerkmal

Über dem Nebelmeer im Piemont
Über dem Nebelmeer im Piemont

Das Alleinstellungsmerkmal des Piemont sind seine unbefestigten Höhenstraßen. Der Colle Sommeiller oberhalb von Bardonecchia führt auf annähernd 3.000 Meter zu einem stillgelegten Gletscher-Skigebiet – eine der höchsten Stellen der Alpen, die sich überhaupt noch auf Rädern erreichen lässt. Die Assietta-Kammstraße (Strada dell'Assietta) hält sich über Dutzende Kilometer um die 2.500 Meter und reiht die Pässe oberhalb von Sestriere aneinander. Der Colle delle Finestre (2.178 m) kombiniert asphaltierte Serpentinen im unteren Teil mit einer geschotterten Rampe zur Passhöhe, der Monte Jafferau klettert auf einer Militärpiste bis auf rund 2.800 Meter zu einem alten Fort. Diese Strecken sind kein Asphalt-Vergnügen: Sie verlangen Geländeerfahrung und ein geländetaugliches Motorrad. Geröll, Auswaschungen und Schneereste können eine Piste von einem Jahr aufs andere unpassierbar machen, und Öffnungszeiten wie Fahrverbote wechseln – die aktuelle Lage gehört vor jeder Auffahrt vor Ort geklärt.

Ligurische Grenzkammstraße – die Salzstraße über drei Länder

Dorf mit Burg über der Kurve
Dorf mit Burg über der Kurve

Die Ligurische Grenzkammstraße, die alte Via del Sale, folgt der ehemaligen Militärstraße über den Kamm zwischen Piemont, Ligurien und Frankreich. Von Limone Piemonte zieht sie über den Colle di Tenda Richtung Monesi, mit dem Mittelmeer auf der einen und den Seealpen auf der anderen Seite. Der Belag wechselt zwischen Asphalt, festem Schotter und groben, teils von Steinschlag verschütteten Passagen. Der motorisierte Verkehr ist hier inzwischen reglementiert – Auffahrt nur an bestimmten Tagen, gegen Gebühr und mit begrenztem Tageskontingent. Wer hoch will, klärt Genehmigung und Sperrzeiten vorab und bringt geländetaugliches Material mit; ein Straßenmotorrad ist auf diesem Untergrund fehl am Platz.

Asphaltierte Hochpässe – Grenzübergänge nach Frankreich

Blick durch den Torbogen ins Roero
Blick durch den Torbogen ins Roero

Wer auf Teer bleiben will, findet im Süden des Reviers einige der höchsten befestigten Alpenübergänge. Der Colle dell'Agnello (2.744 m) verbindet das Val Varaita mit dem französischen Queyras und zählt zu den höchsten durchgehend asphaltierten Pässen der Alpen; die Rampe über das Steindorf Chianale ist steil und schmal. Der Colle della Lombarda (rund 2.350 m) führt von Vinadio im Valle Stura hinüber nach Isola 2000. Der Colle Fauniera, auch Colle dei Morti (rund 2.480 m), windet sich als schmales, welliges Asphaltband zwischen Valle Grana, Valle Maira und Valle Stura – an der Passhöhe steht das Denkmal für den Radprofi Marco Pantani. Der Colle di Sampeyre (rund 2.280 m) quert vom Val Varaita ins Val Maira. Landschaftlich lohnt der Colle del Nivolet (2.612 m) als Sackgasse: Von Ceresole Reale im Valle Orco schraubt er sich in den Nationalpark Gran Paradiso hinauf zu den Stauseen unter der Passhöhe – hinauf und dieselbe Strecke wieder zurück.

Susatal und Turin – die städtische Basis

Mohnblumen am Straßenrand
Mohnblumen am Straßenrand

Das Susatal (Val di Susa) ist die asphaltierte Hauptschlagader Richtung Frankreich, mit Auffahrt nach Sestriere (2.035 m) und Anschluss zum Montgenèvre. Am Taleingang thront die Sacra di San Michele, die Klosterfestung auf dem Felsgrat, Wahrzeichen des Piemont und Ideengeber für Umberto Ecos „Der Name der Rose". Turin am Fuß der Berge taugt als Standquartier und Kulturstopp – Arkadenstraßen, Barockpaläste und die Mole Antonelliana. Der Standort ist praktisch: Sowohl die Schotterreviere im Westen als auch die Weinhügel im Süden liegen binnen ein bis zwei Stunden Fahrt.

Langhe, Roero und Monferrato – Weinhügel als Gegenprogramm

Landstraße durch die grünen Hügel
Landstraße durch die grünen Hügel

Südlich von Turin kippt die Landschaft von Fels auf Rebe. Die Langhe, das Roero und das Monferrato bilden zusammen die Weinberglandschaften des Piemont, seit 2014 UNESCO-Welterbe. Hier fährt man keine Höhenmeter ab, sondern lange, fließende Kurvenketten über die Hügelrücken zwischen den Weinorten: Barolo und Barbaresco für die großen Nebbiolo-Rotweine, Asti und Canelli für den Schaumwein, Alba als Zentrum für weißen Trüffel und Haselnuss. Der Belag ist meist tadellos, die Etappen sind kurz – ein Revier für gemächliche Genusstage und die kulinarische Seite der Reise, gut als Ausklang nach den harten Schottertagen im Westen.

Anschlüsse – Ligurien, Frankreich und die Marathontouren

Straße entlang der Felswand
Straße entlang der Felswand

Das Piemont grenzt im Westen an das französische Alpenland und im Süden über die Seealpen an Ligurien und das Mittelmeer – wenige Reviere lassen sich so leicht zu einer langen Rundtour verketten. Enduro-Veranstaltungen wie die Hard Alpi Tour von Pavia nach Sanremo bündeln auf rund 500 Kilometern On- und Offroad-Passagen von der Poebene bis ans Meer. Wer die piemontesischen Pässe mit den französischen Hochstraßen und der ligurischen Küste kombiniert, hat Hochgebirge, Grenzkämme und Meer in einer einzigen Tour.

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