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Motorradregion Piemont17 Strecken · 41 Pässe

Motorrad fahrenim Piemont

Der Motorrad-Guide fürs Piemont: die höchsten asphaltierten Alpenpässe der Westalpen, kurvige Täler, Schotter-Kammstraßen, Sehenswürdigkeiten, Werkstätten und Anreise.

Das Piemont liegt in Italiens Nordwesten, dort wo sich der Alpenbogen wie ein Hufeisen um die Po-Ebene legt. Der Name sagt schon, worum es geht: „am Fuß der Berge". Im Westen bildet der Alpenhauptkamm die Grenze zu Frankreich, im Norden grenzt die Region über die Ossola-Täler an die Schweiz, im Nordwesten ans Aostatal, im Osten an die Lombardei, im Süden an Ligurien. In der Mitte breitet sich das flache Schwemmland des Po aus, der am Monviso (3841 m) entspringt, dem freistehenden Pyramidengipfel der Cottischen Alpen über dem Valle Po. Nach Süden lösen sich die Berge in die Hügel der Langhe, des Roero und des Monferrato auf — Rebland statt Fels. Für Motorradfahrer drei grundverschiedene Reviere in einer einzigen Region.

Motorradfahren im Piemont

Das eigentliche Hochgebirge zieht sich am Westrand entlang, von den Seealpen bei Cuneo bis zu den Grajischen Alpen um den Gran Paradiso. Hier liegen die großen Grenz- und Kammübergänge. Der Colle dell'Agnello (2744 m) über dem Varaitatal ist der höchste Grenzpass der Alpen und nach dem Col de l'Iseran und dem Stilfser Joch der dritthöchste asphaltierte Alpenpass überhaupt; die SP251 schraubt sich über Sampeyre, Pontechianale und das Steindorf Chianale hinauf zum kahlen Sattel an der französischen Grenze. Weiter südlich verbindet die SS21 della Maddalena das Valle Stura mit dem französischen Ubaye-Tal über den Colle della Maddalena (Col de Larche) auf knapp 2000 Metern — als einer der wenigen West-Grenzpässe meist ganzjährig offen und deshalb die verlässliche Ein- und Ausfahrt ins Nachbarland.

Typisch für den Westen ist der Zuschnitt der Täler. Wie Finger greifen sie vom Flachland in den Fels: Valle Varaita, Valle Maira, Valle Grana und Valle Stura, dazu Valle Po, Val Chisone, Val di Susa und das Valle dell'Orco im Norden. Fast jedes endet an einem Passschluss oder einer Bergstation. Man fährt lange, gleichmäßige Talstrecken an, ehe oben die Kehren beginnen — Anfahrten von dreißig, vierzig Kilometern bis zum ersten Serpentinenpaket sind hier normal. Das prägt den Rhythmus: erst rollen, dann arbeiten. Wer Übergänge kombinieren will, muss die Talschlüsse kennen, denn quer verbinden die Täler nur wenige Kammstraßen — sonst geht es zurück ins Flachland und über das nächste Tal wieder hinauf.

Wer es enger und höher mag, findet zwischen diesen Tälern eine Kette schmaler Bergstraßen. Der Colle Fauniera, auch Colle dei Morti, klettert auf 2481 Meter und ist streckenweise nur einspurig; oben steht das steinerne Denkmal für den Radprofi Marco Pantani. Der Colle di Sampeyre (2284 m) verbindet das Valle Varaita mit dem Valle Maira, der Colle del Sestriere (2035 m) trägt über der SS23 den bekannten Wintersportort im Val Chisone. Das ist kein Passbügeln im Minutentakt, sondern konzentriertes Fahren: enge Radien, wechselnder Belag, Weidevieh auf der Fahrbahn, Gegenverkehr in Kehren ohne Leitplanke. Es zählt nicht das Tempo, sondern Höhe und Weite.

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Zwei Eigenheiten prägen das Revier besonders. Erstens die Sackgassen: Der Colle del Nivolet im Nationalpark Gran Paradiso lässt sich nur von Süden erreichen, aus dem Valle dell'Orco über Ceresole Reale — die Asphaltstraße endet über 2500 Metern nahe der Passhöhe, ein Durchkommen ins Aostatal gibt es nur zu Fuß. Man fährt hin und dieselbe Strecke zurück, vorbei an den Stauseen Serrù und Agnel. Zweitens die Schotter-Kammstraßen: Die Strada dell'Assietta läuft auf rund 35 Kilometern über den Höhenzug zwischen Val di Susa und Val Chisone, den Colle dell'Assietta (2472 m) eingeschlossen — eine alte Militärstraße auf Enduro-Terrain und eine der höchsten durchgehend befahrbaren Kammpisten der Alpen. Ihr Osteinstieg liegt am Colle delle Finestre (2178 m), dessen Nordauffahrt die letzten acht Kilometer unbefestigt bleibt, während die Südseite durchgehend asphaltiert ist.

Ganz anders der Süden. In den Langhe und im Monferrato geht es nicht um Höhenmeter, sondern um Rhythmus: welliges Rebland, lange Kurvenketten auf schmalen Höhenstraßen zwischen Barolo, La Morra und Barbaresco, weiter Blick über Weinberge, die als UNESCO-Weinbaulandschaft geschützt sind. Diese Straßen liegen tiefer und sind deutlich früher im Jahr frei — ideal für Frühjahr und Herbst, wenn die Hochpässe noch oder schon wieder gesperrt sind. Wer die Alpen nicht sucht, hat hier ein eigenes, entspanntes Kurvenrevier ohne Passcharakter.

Im Norden schließlich liegen die Seen. Am Lago Maggiore und am kleineren Lago d'Orta führen Uferstraßen durch mild-mediterrane Orte, dahinter steigen die Ossola-Täler zu den Schweizer Übergängen an — der Simplon (Sempione) ist von hier die klassische Verbindung ins Wallis. Ganz oben markiert das Monte-Rosa-Massiv über Alagna Valsesia die Grenze; das Hochgebirge des Aostatals reicht hier bereits herüber. Der Norden fährt sich weicher als der raue Westen — mehr Seeufer und Waldstraßen, weniger extreme Höhe, dafür kurze Sprünge über die Grenze zu den Schweizer Pässen.

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Das Revier lebt von diesem Gefälle. Die Po-Ebene wird im Hochsommer heiß und diesig, die Hochpässe sind grob von Juni bis Oktober schneefrei, die Hügel des Südens fast das ganze Jahr fahrbar. Das lässt sich kombinieren: am Morgen die kühlen Kehren jenseits der 2000 Meter, am Nachmittag die warmen Weinstraßen. Zwischen dem höchsten Grenzpass der Alpen, kilometerlangen Schotter-Kammstraßen und den weichen Kurven der Langhe liegen keine drei Fahrstunden. Nicht der einzelne berühmte Pass trägt hier die Woche, sondern die Möglichkeit, jeden Tag ein anderes Fahrprogramm zu wählen.

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